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Handball – Sachsenliga / Herren

Heimserie ist gerissen

SV 04 Oberlosa – SG DHfK/NHV Delitzsch   21:24

Der Heimnimbus der Oberlosaer Sachsenliga-Handballer ist Geschichte. Auf den Tag genau nach 31 Monaten unterlagen die 04er in einem Punktspiel in heimischer Halle. Gegen den Titelfavoriten SG DHfK Leipzig/NHV Delitzsch hieß es nach 60 hart umkämpften Minuten 21:24. Delitzsch wahrte damit seine weiße Weste und führt die Tabelle mit 8:0 Punkten an, Oberlosa rangiert mit 6:2 Zählern auf Rang drei.



Gut 600 Zuschauer drängten sich beim Anpfiff in der Plauener Kurt-Helbig-Sporthalle und sorgten von Beginn an für eine tolle Atmosphäre. Den besseren Start erwischte eindeutig der Favorit aus Delitzsch. Jens Groeschel und Jan Jungandreas brachten die Gäste 0:2 in Führung. Die Spitzenstädter taten sich gegen eine glänzend eingestellte Delitzscher Abwehr schwer. Bereits drei Mal hatte der überragende Gästekeeper Steve Müller parieren können, bevor Mike Anlauf endlich der Anschluss gelang. Doch die Nordsachsen hatten die Partie zunächst im Griff. Hervorragend dirigiert von Shinnosuke Uematsu konnte sich der Spitzenreiter auf 2:5 absetzen. Marcus Peschke verkürzte für die Schwarz-Gelben auf 3:5, im Gegenzug stellte Marcus Leuendorf den alten Abstand wieder her. Zwei tolle Paraden von Schlussmann Carsten Klaus legten den Grundstein für den Oberlosaer Anschlusstreffer. Robert Fickel netzte zum 4:6 ein, Tomas Martinek legte zum 5:6 nach. In der Folge lieferten sich beide Teams eine echte Abwehrschlacht. Auf beiden Seiten zeigte man sich glänzend auf die jeweiligen Stärken des Kontrahenten eingestellt. Hüben wie drüben wurde kräftig zugepackt, wurde gerackert und gekämpft. Die Spitzenstädter scheiterten in der Folge zu häufig am hervorragend parierenden Steve Müller. Delitzsch baute den Abstand wieder auf drei Tore aus (7:10) und nahm diesen Vorsprung beim 8:11 mit in die Halbzeitpause.

Nach dem Wechsel verlief die unglaublich intensive Partie völlig ausgeglichen. Den 04ern gelang es nun besser, sich gegen die Delitzscher Abwehr durchzusetzen. Allerdings vermochte man die bärenstarke rechte Seite der Gäste mit Marcus Leuendorf und Jan Jungandreas nicht zu stoppen. Unterdessen lieferten sich Christoph Märtner (Oberlosa) und Marcel Ulrich (Delitzsch) am Kreis ein Duell auf ganz hohem Niveau. Beide organisierten glänzend ihre Abwehrreihen und hatten den jeweiligen Kontrahenten in der Defensive im Griff. Bis zum 12:15 blieb der Abstand konstant, zwei Treffer in Folge durch Ivo Doberenz ließen ein 12:17 an der Anzeigetafel aufleuchten.

Wer glaubte, dies sei die Vorentscheidung, der sah sich getäuscht. Tomas Martinek verkürzte zum 13:17, wenig später traf Toni Roth zum 14:17. Delitzsch legte in Person von Jan Jungandreas zum 14:18 nach. Der nach wie vor gehandicapte Paul Richter verkürzte wiederum zum 15:18. Die 04er kämpften und rackerten in der Defensive. Den nächsten Ballgewinn veredelte Rico Englert mit einem Geschoss in den Winkel zum 16:18 und ließ die Kurt-Helbig-Halle beben. Wenig später kochte die Volksseele über. Shinnosuke Uematsu lief frei auf den Oberlosaer Kasten zu, ließ den Ball allerdings fallen und nahm ihn klar ersichtlich erneut auf. Ein klarer Regelverstoß der allerdings ungeahndet blieb und den Gästen mit dem 16:19 einen erneuten Drei-Tore-Vorsprung bescherte. SV-Trainer Jörg Grüner kassierte für seine heftigen Proteste die Gelbe Karte. „Wenn wir da den Anschluss schaffen, kann die Partie vielleicht noch mal kippen. Deswegen habe ich mich so aufgeregt“, erklärte der Oberlosaer Coach später. Überhaupt zeigte sich der sonst so besonnene Grüner etwas ungehalten. „Da fehlt uns eindeutig auch die Lobby. Delitzsch konnte vier Strafwürfe für sich verbuchen, wir keinen einzigen. Und mir kann keiner erzählen, dass sich die Abwehrarbeit auf beiden Seiten so unterschieden hat“, so Grüner. „Das war nicht spielentscheidend. Wir haben heute gegen eine bessere und cleverere Mannschaft verdient verloren“, wusste der Trainer aber auch zu relativieren.

Heiß her ging es weiterhin in der Schlussphase. Angefeuert von zwei tollen Fanblöcken, kämpften beide Mannschaften weiterhin auf hohem Niveau. Gäste-Coach Michael Schneider hatte noch einen Trumpf im Ärmel und stellte in der Schlussphase den routinierten Stephan Sarközi zwischen die Pfosten. Der hatte die Oberlosaer Schützen offensichtlich gut studiert und trug mit starken Paraden zum späteren Erfolg der Gäste bei.

Überschattet wurde die Schlussphase von einer vermutlich schweren Verletzung von Christoph Märtner. Der Kreisläufer knickte um und musste vom Feld getragen werden. Der Spitzenreiter blieb auch in der Schlussphase cool und hatte beim 20:23 eine Minute vor Ultimo den Deckel drauf gemacht. Schlussendlich verdient setzte sich der Favorit mit 21:24 durch, beide Mannschaften wurden von ihren Anhängern mit Standing Ovations gefeiert. Tolle Geste der Gäste nach dem Spiel, als sich die Spieler bei Christoph Märtner nach dem Befinden erkundigten und schnelle Genesung wünschten. Respekt!

Stimmen zum Spiel:

  Michael Schneider (Trainer Leipzig/Delitzsch): „Es war für uns die erwartet schwere Partie. Das Spiel war unglaublich intensiv und kampfbetont und war für uns die bisher schwierigste Aufgabe in dieser Saison. Ich bin stolz auf meine Mannschaft, wie sie sich hier behauptet hat. Oberlosa hat eine tolle Mannschaft die sehr gut verteidigt hat und auch vorne den Ball hervorragend laufen lassen hat. In den entscheidenden Momenten waren wir allerdings cleverer und haben uns aus meiner Sicht verdient durchgesetzt. Riesenkompliment ans Publikum, das war eine unglaublich tolle Atmosphäre“.

Jörg Grüner (Trainer Oberlosa): „Glückwunsch an Leipzig/Delitzsch für einen verdienten Erfolg. Es passiert nach Niederlagen ganz selten, dass ich trotzdem lächeln kann. Heute kann ich meiner Mannschaft aber kaum einen Vorwurf machen. Lediglich die Chancenverwertung in der ersten Hälfte gegen einen allerdings auch enorm starken Steve Müller muss ich bemängeln. Die zweite Hälfte haben wir ausgeglichen gestaltet, das war richtig gut. Viel mehr als die Niederlage schmerzt die Verletzung von Christoph Märtner. Mal abwarten, was da bei der Untersuchung raus kommt. Ich kann mich meinem Trainerkollegen nur anschließen, die Stimmung war phantastisch“.

Oberlosa: Petzoldt, Klaus; Anlauf (2 Tore), Wetzel (1), Martinek (2), Peschke (2), Frost, Englert (3), Schneider, Fickel (2), Märtner (1), Roth (3), Richter (4), Brabec (1)

Delitzsch: Müller, Sarközi; Leuendorf (6), Bönke, Mendisch, Mittag, Strehle (1), Ulrich (2), Doberenz (3), Hartmann, Uematsu (3), Jungandreas (8/ davon 3 Siebenmeter), Henoch, Groeschel (1)

Schiedsrichter: Becker (Grüna) / Herwick (Marienberg)
Zuschauer: 625
Zeitstrafen: Oberlosa 4 / Delitzsch 5 
Siebenmeter: Oberlosa 0, Delitzsch 4/3 verwandelt

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