Oberlosa und Aue werfen 86 Tore

Oberlosa und Aue werfen 86 Tore

86 Tore in einem Spiel. Das große Handballderby zwischen Plauen und Aue endete 38:48 (20:24). 850 Zuschauer erlebten in der ausverkauften Kurt-Helbig-Sporthalle das größte Schützenfest aller Zeiten.

Für den SV 04 Oberlosa war es das bislang spektakulärste Schützenfest in der 3. Bundesliga. Und für den EHV Aue genau die richtige Einstimmung auf die Entscheidungsspiele im Aufstiegskampf gegen die derzeit drittplatzierten Füchse Berlin II (1.4.) und Spitzenreiter Braunschweig (4.4.). Die Erzgebirger schraubten mit diesem 60minütigen Temposchaulauf ihren Tordurchschnitt auf 34 Treffer pro Spiel. Damit ist der EHV absolute Ligaspitze. Elffachschütze Paul Bones wusste aber direkt nach der Schlusssirene: „So viele Buden darfst du hinten nicht kassieren. Das ist einfach viel zu viel.“

In der Tat: Der EHV Aue hat auf dem Weg zurück in die 2. Bundesliga in dieser Spielzeit noch kein einziges Mal so viele Gegentore hinnehmen müssen. „Und deshalb will ich auch nichts von der Aufstiegsrunde hören. Wir müssen uns Spiel für Spiel die Siege erarbeiten“, forderte der Auer Cheftrainer Uwe Jungandreas. „Für mich ist Aue aber in dieser Verfassung derzeit klar die Nummer 1 der Liga“, stellte der Plauener Spielmacher Roman Becvar fest. Schon im Hinspiel rannte Oberlosa beim 24:34 dem Gegner zwei Schritte hinterher.

Dabei sah es 25 Minuten lang so aus, als könnten die Plauener der Auer Schlagzahl folgen. Wie bei einem Ruderbootrennen stieß der EHV den Verfolger immer wieder mit zwei, drei Toren ab. Doch die Vogtländer bissen sich wie so ein kleiner Terrier immer wieder fest. Matevž Kunst (12:13) und Leoš Petrovský (13:14/14:15) netzten für Plauen ein. Doch dann handelte sich Leoš Petrovský im Überschwang eine Rote Karte ein, weil er den Auer Paul Bones zu hart attackierte. Damit dezimierte sich der ohnehin schon kleine Oberlosaer Kader selbst. SV-Cheftrainer Ladislav Brykner musste eingestehen: „Wir lagen zur Pause noch in greifbarer Nähe, sind dann im zweiten Durchgang aber einfach zurückgefallen.“ SV-Kreisläufer Lukas Meckel (3 Tore) rückte genau wie Rechtsaußen Philip Trommer Ernst (4) aus der zweiten Mannschaft aus der Oberliga nach oben. Beide machten ihre Sache gut. „Aber gegen so einen Gegner sind dann eben sogar 38 geworfene Tore zu wenig“, ärgerte sich Lukas Meckel.

Der Plauener Co-Trainer Jörg Grüner analysierte das Spielgeschehen so: „In der Sechs- bis Neunmeterzone musst du gegen so einen Gegner im Arm- und Oberkörperbereich einfach entschlossener zupacken. Unsere halbherzigen Abwehrversuche versetzten die Auer in die Lage, dass sie den Ball im letzten Moment doch noch zum Nebenmann brachten und dann auch unter Bedrängnis zielgenau zuschlugen“, resümierte Jörg Grüner. Neutrale Handballfreunde schnalzten mit der Zunge. Was Paul Bones (11), Francisco Pereira (8), Dieudonné Mubenzem (8), Justin Döbler (6) und Kevin Roch (6) in Plauen ablieferten, sieht man nicht aller Tage.

Gerade für Kevin Roch war es ein ganz besonderer Tag. Die Auer Handballlegende kehrte im letzten Sommer nach zwei Oberlosa-Jahren zurück in die Heimat. Der Linksaußen wurde von beiden Seiten mit tosendem Applaus begrüßt. „Wahnsinn. Was war das für ein Spiel? Wir müssen jetzt unbedingt unser Abwehrverhalten hinterfragen, sonst reißt unsere Serie nach 13 Siegen in Folge schon am kommenden Mittwoch“, spricht Kevin Roch Klartext. Seinem SV 04 Oberlosa wünscht der Plauener Ex-Kapitän alles Gute. Nach Matevž Kunst (10/davon 3 Siebenmeter) hat am Samstag auch Roman Becvar (6) seine Vertragsverlängerung bestätigt. Damit stürmen die Oberlosaer trotz enormer Personalsorgen mit drei Punkten Vorsprung auf die Abstiegsränge in die Schlussrunde. Jetzt kommen die Gegner, wo für Plauen was geht: Sportfreunde Söhre (11.04./A), Hamburg-Barmbek (18.04./H), Flensborg (25.4./A), SC DHfK Leipzig II (3.5./A), TSV Altenholz (9.5./H).

Statistik
SV 04 Oberlosa: Ebert, Foluszny – Stäglich (1 Tor), Kunst (10/davon 3 Siebenmeter), Ernst (4), Petrovský (3 – 25. Rote Karte), Chobot (1), Schauer (6), Meckel (3), Becvar (6), Olkowski (2), Malta, Puljic (2).
EHV Aue: Priskus, Mohs (1) – Pfeil (4), Roch (6), Sánchez, Pereira (8/1), Mubenzem (8), Bones (11/1), Voß (1), Swat (2), Döbler (6), Paraschiv, Hofmann, Lange (1).
Schiedsrichter: Fabian Schwarz, Arthur Krispenz
Siebenmeter: Oberlosa 4/davon 3 verwandelt, Aue 3/2
Zeitstrafen: Oberlosa 4, Aue 3
Rote Karte: Petrovský (25., Oberlosa, grobes Foulspiel),
Zuschauer: 850 (ausverkauft). (kare)

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